Das Experiment

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Ein Mathematiker und ein Physiker nehmen an einem psychologischen Experiment teil. Zuerst wird der Mathematiker auf einen Stuhl in einem großen, leeren Raum gesetzt. Man stellt ein Bett mit einer wunderschönen nackten Frau in die gegenüberliegende Ecke und der Psychologe erklärt dem Mathematiker: „Es ist dir nicht erlaubt, dich von diesem Stuhl zu erheben. Alle fünf Minuten werde ich wieder kommen und die Entfernung zwischen diesem Bett und deinem Stuhl halbieren.“ Der Mathematiker starrt den Psychologen mit entsetztem Gesicht an. „Es ist ja wohl klar, dass ich das Bett nie erreichen werde. Das werde ich mir sicher nicht antun.“ Er steht auf und sucht das Weite. Nachdem der Psychologe ein paar Notizen in seine Akten gemacht hat, holt er den Physiker und erklärt diesem die Situation. Sofort strahlt dieser über das ganze Gesicht und setzt sich freudig auf den Stuhl. Verwundert fragt ihn der Psychologe: „Ist dir nicht klar, dass du das Bett nie erreichen wirst?“ Der Physiker lächelt und erwidert: „Natürlich, aber ich werde genügend nahe kommen, so dass der Abstand für alle praktischen Bedürfnisse vernachlässigbar ist.“

Aha

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Ein Mann hat im Zorn seine Frau ermordet. Er bleibt unentdeckt, und doch schlägt ihn furchtbar das Gewissen und die Gewissensbisse treiben ihn unbarmherzig vor sich her. So sucht er Trost und Hilfe und wendet sich dabei an einen Rabbi. „Rabbi, helfen Sie mir, ich habe gemordet! Der Rabbi weicht erschrocken zurück und fährt den Mann scharf an: „Schwer ist Deine Sünde, und sie fordert Rache und Vergeltung. Ich kann Dir nicht helfen, denn es heisst ‚Aug um Aug, Zahn um Zahn'“. Ungetröstet stürzt der Mann davon. Der nächste, an den er sich wendet ist ein Guru, einer der eingeweiht ist in die esoterischen Lehren: „Grosser Meister, helfen sie mir, ich habe gemordet!“ Der grosse Guru unterbricht nur widerwillig seine Meditation und spricht dann salbungsvoll die weisen Worte: „Mein Sohn, alles Leben ist Schein. Es gibt weder gut noch böse. Durchschaue den Schein und lass dich von Deinen Taten nicht beunruhigen, auch sie sind nur Schein! Meditiere und erkenne dich selbst.“ Nun, jedenfalls geht der Mann ungetröstet weg. Schliesslich landet er vor einem Beichtstuhl. Es brennt Licht, in seiner Unrast, geht der Mann hinein und kniet nieder. Angstvoll stammelt er: „Bitte helfen sie mir. Ich habe gemordet!“ Einen Augenblick ist es ganz still hinter dem Gitter des Beichtstuhls, man hört, wie der Priester schluckt. – Dann tönt seine sanfte, gütige Stimme aus der Finsternis des Beichtstuhls: „Wie oft, mein Sohn?“